Mit dem Bleistift um die Nabelschnur geboren


Mit dem Bleistift um die Nabelschnur geboren

Imre Mesterhazy stellt seine Malerei-Werke aus

 

Der Pfäffiker Imre Mesterhazy ist gleichzeitig Künstler und Überlebenskünstler. Denn einerseits malt, zeichnet und formt er seit Kindesbeinen, andererseits war er auch schon Pizzaiolo und Detektiv.

 

Werner Gubser

 

Aus Budapest kommend sei er 1956 als Fünfjähriger im Rucksack seines Vaters über die Grenze in die Schweiz gekommen, erinnert sich der Pfäffiker Künstler Imre Mesterhazy. In Kempten habe damals die Familie in einer Arbeiterbaracke Quartier bezogen. Schon bald fiel der kleine Imre durch sein Zeichnungstalent in der Schule in Wetzikon auf. Auch seine Lehrer verblüffte er mit seinen Künsten; eine Sechs im Zeugnis war ihm sicher.

Täglich üben wie ein Pianist

«Ich bin mit einem um die Nabelschnur gewickelten Bleistift geboren worden», behauptet Mesterhazy und schreibt Talent und Interesse fürs Zeichnen seinen Eltern zu, die ihn von klein auf gefördert haben. Den Traum seiner Eltern verwirklichte er indes nicht, denn ihnen schwebte vor, dass aus Imre ein Arzt würde. Vielmehr packte er nach der Schulzeit sein Köfferchen und reiste nach Venedig, wo er zwei Semester an der Academia di belle arti studierte. Später hielt er sogar sechs Jahre in der Kunstakademie in München durch und schloss mit dem Diplom als Kunstmaler und Grafiker ab.
Aquarelle seien zwar laut Mesterhazy jetzt nicht gerade in Mode. Das Aquarellieren sei aber das A und O der Malerei, beteuert er: Wenn ein Pianist sich nicht täglich ans Klavier setze, komme er bald aus der Übung. Genau so brauche auch der Zeichner den täglichen Umgang mit Stift und Pinsel. Es sei die schwierigste Maltechnik, denn das Gelingen hänge von der richtigen Wassermenge ab. Auch müsse zum Voraus mit einbezogen werden, dass die Farbtöne beim Trocknen heller würden.

Ein Flair fürs Porträts

Die Profis in dieser Technik mischten die Farbe nicht auf der Palette, sondern gleich auf dem Papier, erklärt Mesterhazy, denn nicht umsonst heisse aquarellieren das Chaos meistern. Der Pfäffiker Künstler gerät gar ins Philosophieren. Obwohl er seit Jahrzehnten mit Wasserfarbe umgehe, merke er je länger, je mehr, dass er diese Technik noch immer nicht beherrsche. Acrylfarben vergleicht er mit Esswaren aus der Büchse. Bilder in Öl sind für ihn dagegen wie selbst Zubereitetes. Ölfarben bieten ihm grenzenlose Möglichkeiten beim Mischen. Und zudem bricht sich das Licht auf Ölgemälden schöner und edler.

Am liebsten zeichnet Mesterhazy Personen. Er skizziert sie beispielsweise, wenn er ihnen im Zug gegenübersitzt. In wenigen Sekunden wirft er ihr Bild aufs Papier. Gelungen findet er seine Skizze, wenn es ihm geglückt ist, den Gesichtsausdruck der dargestellten Person und die Stimmung einzufangen. Dann hat er das Gefühl, «es» malt und zeichnet mit ihm. Irgendwie laufe das Zeichnen dann automatisch ab.

Viel beachtet war vor einigen Monaten die Ausstellung in Pfäffikon, für die Mesterhazy für einmal Pinsel und Stift mit dem Fotoapparat austauschte. An dieser Ausstellung wurden ausschliesslich Porträts von Pfäffikerinnen und Pfäffikern gezeigt. Die Bilder der Personen faszinieren durch ihre eigentümliche Mimik, durch ansteckende Fröhlichkeit, durch Nachdenklichkeit oder durch ihre Bewegungen.

Zweierlei Arten Künstler

Von seiner Kunst kann der Pfäffiker nicht leben. Er habe zwei Berufe, schmunzelt er, Künstler und Überlebenskünstler. Um Geld zu verdienen, verdingt er sich zu verschiedensten Tätigkeiten. So arbeitete er schon als Detektiv, Hilfskoch, Securitaswächter oder Pizzaiolo. Nach einem längeren Unterbruch möchte er wieder als Kunstpädagoge tätig sein und möglicherweise in einer Schule Kindern und Jugendlichen die Kunst des Zeichnens beibringen.
Von heute Freitag an bis Sonntag, 13. April sind Werke von Imre Mesterhazy im Halterhaus in Fehraltorf ausgestellt. Er zeigt Arbeiten aus den letzten Jahren, darunter sind Skizzen, Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde und Kleinplastiken.

Geöffnet ist die Ausstellung im Halterhaus freitags, samstags und sonntags jeweils von 16 bis 20 Uhr. 

 

Züricher Oberländer

 

Mesterházy Imre honlapja

 

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